Endstation Altenburg?

05.08.2015, Altenburg

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Wieder muss sich das kleine Auto durch die gewellte Landschaft schieben, im Raum Ostthüringen sind allerdings schon viele Felder abgeerntet und lassen den Blick frei auf die hellbraune Erde. Auch hier Windräder- nah und in der Ferne. Von der Autobahn ab ist es noch eine gute halbe Stunde bis nach Altenburg, die Stadt ist umgeben von einem stark ländlich geprägten Raum, die Straße schlängelt sich durch hübsche Dörfer mit Vierseitenhöfen und wir folgen ihr. Bis Leipzig ist es mit der Straßenbahn eine knappe dreiviertel Stunde ins Stadtzentrum, nach Erfurt braucht man mit der Bahn 2 Stunden.

Der Landkreis Altenburg hatte sich als einer der ersten für einen starken Ausbau der dezentralen Unterbringung für Asylsuchende entschieden. Wir sind gespannt, was diese Entscheidung für Auswirkungen auf die Situation der Flüchtlinge vor Ort bedeutet. Im Moment gibt es noch keine verbindlichen Standards für die Unterbringung von Asylbewerber*innen in Einzelunterkünften auf Landes- oder kommunaler Ebene. „Endstation Altenburg?“ weiterlesen

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Endstation Altenburg?

„If I can get education and training here, I can wait. If I have to eat and sleep, eat and sleep, I am dying here, my mind is dying and rotting.“

06.08.2015, Zeulenroda

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Eine lang gezogene Brücke führt über das „Zeulenrodaer Meer“- eine sich glitzernd unter uns im Sonnenschein ausbreitende Wasserfläche. Es ist wieder heiß an diesem Augusttag und wir überlegen, ob wir unsere Gespräche nicht an den Strand verlegen. Der Trinkwasserschutz der Talsperre wurde aufgehoben und das Wasser ist somit zum Baden freigegeben. Diese Möglichkeit nutzen auch viele der Asylsuchenden, werden wir später erfahren.

Zeulenroda gehört zum Landkreis Greiz, der vor allem durch einen restriktiven Umgang von Seiten der Landrätin und des Landratsamtes mit den dort lebenden Flüchtlingen bekannt ist. Doch die Menschen und Verantwortungsträger*innen in Zeulenroda haben sich etwas anderes vorgenommen: Konsequent wurde auf eine ernsthafte dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden gedrungen und die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat mitgezogen. Die ursprünglichen Pläne komplette Aufgänge der leerstehenden Blöcke mit Flüchtlingsunterkünften zu belegen, wurden nur teilweise umgesetzt. Derzeit sind mehrere Wohnungen in zwei Plattenbaugebieten und in der Stadt für die Flüchtlingsunterbringung an den Landkreis vermietet. Im Amtsblatt wurden mehrere Aufrufe zu einem offenen, hilfsbereiten Umgang mit den geflüchteten Menschen veröffentlicht und von Seiten der Stadtverwaltung gibt es einen zentralen Ansprechpartner der Unterstützungsangebote koordiniert. „„If I can get education and training here, I can wait. If I have to eat and sleep, eat and sleep, I am dying here, my mind is dying and rotting.““ weiterlesen

„If I can get education and training here, I can wait. If I have to eat and sleep, eat and sleep, I am dying here, my mind is dying and rotting.“

Besuch vor unserer Haustür

03.08.2015, Erfurt

Das erste Ziel der Tour können wir sehr gut mit dem Fahrrad und mit der Straßenbahn erreichen. Die Flüchtlingsunterkunft liegt mitten in Erfurt, weniger als zwei Minuten von der Straßenbahnhaltestelle entfernt.

außenansichtGerade wegen der Zentralität sind unsere Erwartungen groß, die Situation in der Flüchtlingsunterkunft in der Hans-Sailer-Straße soll vergleichsweise gut sein, viel hat sich seit ihrer Einrichtung im Stadtteil Ilversgehofen bewegt. Die lokalen Akteure und sozialen Träger öffneten ihre Angebote und engagieren sich für die Asylsuchenden mit regelmäßigen Angeboten. Das Eckhaus wurde 2014 als Unterkunft für Asylsuchende eingerichtet, heute treffen wir dort zum großen Teil Asylsuchende aus den Balkanstaaten.

Bevor wir den Fuß in das Haus setzen und noch ein bisschen unentschlossen auf der Straße rumstehen, kommt bereits ein aufgeschlossenes elf-jähriges Mädchen auf uns zu, die uns sehr gerne ihr zu Hause zeigen möchte. Wir werden von ihren Eltern sehr freundlich empfangen, setzen uns auf die zu einer Couch umgebauten Betten und versuchen eine gemeinsame Sprache zu finden. Die Eltern erzählen uns, dass sie bald abgeschoben werden sollen, keine Seltenheit für Flüchtlinge aus Serbien. Die Mutter hat Angst vor der Fahrt, weil sie krank ist. Sie sagt, sie müsste eigentlich operiert werden, aber dafür bleibe keine Zeit. Es scheint, als wurden ihr ihre Möglichkeiten nicht ausreichend kommuniziert. Eine Abschiebung ist ausgeschlossen, wenn die Reisetauglichkeit einer Person nicht vorausgesetzt werden kann. Wir erklären ihr, welche Möglichkeiten sie hat. „Besuch vor unserer Haustür“ weiterlesen

Besuch vor unserer Haustür