Wir wollen keinen Luxus

21.01.2016, Ershausen

Das neue Jahr hat begonnen und wir führen unsere Lagerthour fort. Dieses mal fahren wir in das kleine Dorf Ershausen im Eichsfeld. Dort lebt seit einem knappen Jahr eine albanische Familie. Sie waren mit unter den ersten Flüchtlingen, die in das Dorf geschickt worden. Wir wollen sehen, wie die Familie im Ort aufgenommen wurde und was die Unterbringung mitten im Nirgendwo mit ihnen macht. Über anderthalb Stunden brauchen wir mit unserem Auto von Erfurt aus, die Straßen werden immer kleiner und steiler. Überall liegt Schnee und die Sonne blendet uns.

In Ershausen treffen wir eine Unterstützerin der Familie. Sie hat unser Kommen mit der Familie vereinbart, auch weil wir dieses Mal jemanden von Radio F.R.E.I. dabei haben und erst einmal nachfragen wollten, ob die Familie mit einem Interview fürs Radio einverstanden sei. Die Unterstützerin bringt uns zu dem sanierten Neubaublock, in dem die Familie eine Wohnung bezogen hat. Mark, der Vater, begrüßt uns im Hausflur und bittet uns herein. Als unsere Übersetzerin ihn auf Albanisch begrüßt strahlt er überrascht und umarmt sie herzlich. Die kleine Wohnung ist sehr sauber, an der Wand hängen Bilder von Mutter Theresa und eine Ikone.

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Wir wollen keinen Luxus

Hallenunterbringung als Dauerprovisorium

25.01.2016, Erfurt

Die Thüringenhalle ist seit dem 08. Oktober 2015 eine „Notunterkunft“ der Stadt Erfurt. Bis zu 180 Geflüchtete waren hier zeitweise untergebracht, die meisten kamen aus der Notunterkunft auf dem Erfurter Messegelände. Wir hatten damit gerechnet, dass die Halle nur für eine begrenzte Zeit zur Unterbringung von Schutzsuchenden verwendet wird – mittlerweile sind fast vier Monate vergangen. Derzeit sind hier noch 85 Geflüchtete untergebracht, viele davon sind seit der Eröffnung da.

IMG_1910In der ehemaligen Konzerthalle zeigt sich ein deprimierendes Bild. Hölzerne Trennwände teilen die große Fläche in kleinere Abteile, die Eingänge dazu haben die Bewohner*innen provisorisch mit Bettlaken und Duschvorhängen verhangen, um wenigstens ein bisschen Privatsphäre zu haben. Licht kommt nur von den Kunstlichtlampen, hoch oben unter der Hallendecke. Die einzelnen Abteile sind nach oben hin offen, wenn die Lampen 22 Uhr ausgehen versinkt die Halle in totaler Finsternis und die Bewohner*innen müssen mit Handys oder Taschenlampen leuchten, wenn sie sich nicht tastend vorwärts bewegen wollen. „Hallenunterbringung als Dauerprovisorium“ weiterlesen

Hallenunterbringung als Dauerprovisorium

„I’m happy to have a home, but sometimes it’s a prison“

07.08.2015, Obermehler

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Sengende Hitze, Hitzeflirren über dem Asphalt, die vorerst letzte Station unserer Thour führt uns in den Nordwesten Thüringens nach Obermehler im Unstrut-Hainich-Kreis. 837 Einwohner*innen zählt der Ort, der 12 km nordöstlich von Mühlhausen gelegen ist.
Die Gemeinschaftsunterkunft liegt außerhalb des Ortskernes, in den ehemaligen Plattenbauten einer Kaserne der sowjetischen Truppen. Eröffnet wurde sie im März 2015. Als wir in den Ort einbiegen, wummern uns Bässe entgegen. Auf dem nahegelegenen Flugplatz ist ein Metal-Festival, Menschen mit schwarzen T-Shirts und Bandaufdrucken kommen uns entgegen oder suchen Schatten zwischen ihren parkenden Autos. Hundert Meter weiter hinter einem Pappelhain sind die beiden Blöcke der Gemeinschaftunterkunft. Von außen machen sie einen guten Eindruck, die Gebäude sind saniert, mit freundlichen Farben gestrichen und von den Balkonen hat man einen weiten Ausblick über die angrenzenden Felder. Es gibt viele Felder zu sehen, neben dem Flugplatz ist die Landwirtschaft der wichtigste Standortfaktor laut Wikipedia. „„I’m happy to have a home, but sometimes it’s a prison““ weiterlesen

„I’m happy to have a home, but sometimes it’s a prison“