Denken Sie darüber nach in Ihr Herkunftsland zurück zu kehren?

Unser Besuch in einem Lager in Nordhausen 14.02.2017

Diesmal ist das Ziel unserer Lagertour ein Lager, das nicht im Nirgendwo liegt: ein Flüchtlingsheim direkt in der Stadt Nordhausen. Von außen sieht das Gebäude schick saniert aus, doch als wir die Zimmer besichtigen sind wir entsetzt: bis zu 13 Menschen müssen in einem Zimmer wohnen. Sie haben sich mit Laken und Planen kleine Abteile abgehangen. Metallspinte geben etwas Sichtschutz, ein kläglicher Versuch, wenigstens etwas Privatsphäre zu erlangen. Zudem betreten alle paar Stunden Mitarbeiter der Security ohne Anklopfen die Zimmer. Sie schauen wohl, ob alles in Ordnung ist, ob sich hier keine unangemeldeten Gäste aufhalten, wird uns berichtet. Die Bewohner fühlen sich dadurch permanent verdächtigt und kontrolliert. Die Türen besitzen keine Schlösser. Es besteht also nicht einmal die Möglichkeit abzuschließen. Anstatt an eine „Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge“, erinnert uns das an eine Notunterkunft aus dem Herbst 2015. Erschüttert fragen wir uns, wie man hier geschützt leben, geschweige denn nach einer Flucht zur Ruhe kommen soll.

Aus Sicht des Flüchtlingsrat Thüringen erinnern die Zimmer an eine Notunterkunft.

Wir unterhalten uns mit einigen Bewohnern. Sie erzählen uns, dass hier über 80 Männer untergebracht sind. Jedes Zimmer ist voll belegt. Sie sagen: „Hier werden die untergebracht, die keine Perspektive haben.“ Alle Bewohner sind Geflüchtete aus Ländern, denen keine sogenannte gute Bleibeperspektive zugesprochen wird. Schon der Begriff ist irreführend. Der größte Teil der Menschen wird in Deutschland bleiben. Zum Beispiel wird aus Thüringen niemand in das kriegsgebeutelte Afghanistan abgeschoben. Trotzdem werden diese Menschen hier zusammengepfercht und so zusätzlichen Perspektiven beraubt.

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