Langeweile als Dauerzustand

09.08.2016, Obermehler

Im Zuge unserer Lagert(h)our besuchen wir ein weiteres Mal die Gemeinschaftsunterkunft in Obermehler, um uns die Situation der Geflüchteten, ein Jahr nach unserem letzten Besuch, nochmals anzuschauen. Mittlerweile wohnen in den sechs Wohnblöcken rund 680 Menschen. Zwei Blöcke werden von Human Care betreut. Die übrigen stehen unter der Verwaltung des Landratsamtes, wobei Human Care  für die Ausstattung verantwortlich ist. Auf den letzten Metern unserer Anfahrt, sehen wir bereits viele Menschen, die den Weg zwischen Schlotheim und Obermehler nutzen, um ihre Einkäufe nach Hause zu bringen. Angekommen treffen wir zwei Unterstützer vor Ort. Von ihnen erfahren wir grundsätzliche Informationen zur aktuellen Lage. Neu ist ein Zaun, der das gesamte Gelände umgibt. Die Vertreter erzählen uns, dass die Sicherheit der Bewohner*innen als Grund für den Bau angegeben wurde. Angeblich seien Kinder immer wieder auf die Landstraße, welche direkt vor den Unterkünften vorbeiführt, gelaufen. Warum auch die anderen Seiten mit einem Zaum versehen wurden, bleibt offen.

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Noch im Gespräch betreten wir das Gelände. Kinder spielen auf einem kleinen Platz mit Toren Fußball. Viele Menschen stehen auf dem Gelände in kleinen Gruppen und unterhalten sich. Bauarbeiter sind gerade dabei, ein paar alte Spielgeräte zu entfernen und durch einen neuen, jedoch sehr kleinen Spielplatz zu ersetzen. Die kaputte Hausfassade, die schon vor einem Jahr als Bild in unserem Bericht zu finden war, ist noch immer nicht „Langeweile als Dauerzustand“ weiterlesen

Langeweile als Dauerzustand

„I’m happy to have a home, but sometimes it’s a prison“

07.08.2015, Obermehler

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Sengende Hitze, Hitzeflirren über dem Asphalt, die vorerst letzte Station unserer Thour führt uns in den Nordwesten Thüringens nach Obermehler im Unstrut-Hainich-Kreis. 837 Einwohner*innen zählt der Ort, der 12 km nordöstlich von Mühlhausen gelegen ist.
Die Gemeinschaftsunterkunft liegt außerhalb des Ortskernes, in den ehemaligen Plattenbauten einer Kaserne der sowjetischen Truppen. Eröffnet wurde sie im März 2015. Als wir in den Ort einbiegen, wummern uns Bässe entgegen. Auf dem nahegelegenen Flugplatz ist ein Metal-Festival, Menschen mit schwarzen T-Shirts und Bandaufdrucken kommen uns entgegen oder suchen Schatten zwischen ihren parkenden Autos. Hundert Meter weiter hinter einem Pappelhain sind die beiden Blöcke der Gemeinschaftunterkunft. Von außen machen sie einen guten Eindruck, die Gebäude sind saniert, mit freundlichen Farben gestrichen und von den Balkonen hat man einen weiten Ausblick über die angrenzenden Felder. Es gibt viele Felder zu sehen, neben dem Flugplatz ist die Landwirtschaft der wichtigste Standortfaktor laut Wikipedia. „„I’m happy to have a home, but sometimes it’s a prison““ weiterlesen

„I’m happy to have a home, but sometimes it’s a prison“